Berechnen Sie die Grundsteuer in Baden-Württemberg nach dem ab 2025 geltenden Bodenwertmodell. Grundlage ist der Bodenwert (Fläche × Bodenrichtwert) multipliziert mit der Steuermesszahl 1,3 ‰ und dem Hebesatz Ihrer Gemeinde.
Grundsteuer Baden-Württemberg (Bodenwertmodell) 2025
Rechtsgrundlage
- § 38 Landesgrundsteuergesetz Baden-Württemberg (LGrStG BW) ↗
Bodenwertmodell BW — Steuermesszahl 1,3 ‰, gilt ab 1.1.2025
Gültig ab: 1. 1. 2025
- § 14 Grundsteuergesetz (GrStG) ↗
Grundsteuermessbetrag
Gültig ab: 1. 1. 1973
- § 25 Grundsteuergesetz (GrStG) ↗
Festsetzung des Hebesatzes durch Gemeinde
Gültig ab: 1. 1. 1973
Grundsteuer BW: Das Bodenwertmodell
Mit der Grundsteuerreform 2019 (Urteil des BVerfG vom 10.4.2018) war der Gesetzgeber gezwungen, die Einheitswerte als Bemessungsgrundlage zu ersetzen, die teilweise noch auf Daten aus den 1960er-Jahren (West) bzw. 1935 (Ost) basierten. Baden-Württemberg hat als einziges Bundesland ein reines Bodenwertmodell eingeführt, das auf Gebäudewerte vollständig verzichtet.
Funktionsweise des Bodenwertmodells
Im Bodenwertmodell ergibt sich die Grundsteuer aus drei Faktoren: dem Bodenwert (Fläche in m² multipliziert mit dem Bodenrichtwert in €/m²), der einheitlichen Steuermesszahl von 1,3 Promille (§ 38 LGrStG BW) und dem gemeindlichen Hebesatz. Das Gebäude auf dem Grundstück ist für die Berechnung irrelevant — ein frisch saniertes Haus und eine Bruchbude zahlen bei gleichem Grundstück identische Grundsteuer. Dies gilt als Anreiz zur Bebauung ungenutzter Grundstücke.
Abschlag für Wohnnutzung
Bei überwiegend zu Wohnzwecken genutzten Grundstücken (Wohngebäude, Einfamilienhäuser, Mietwohngrundstücke) sieht das LGrStG BW einen Abschlag von 30 % auf den Bodenwert vor. Damit sinkt die effektive Steuermesszahl auf 0,91 ‰. Dieser Vorteil gilt nicht für gewerblich genutzte Grundstücke oder Grundstücke ohne Bebauung.
Hebesätze in Baden-Württemberg
Die Hebesätze variieren stark: Kleine Gemeinden im ländlichen Raum setzen oft 300–350 % an, Großstädte wie Freiburg oder Konstanz deutlich mehr. Freiburg etwa verabschiedete einen Hebesatz von 600 % für 2025. Der Hebesatz wird vom Gemeinderat jährlich neu beschlossen und im Amtsblatt veröffentlicht. Viele Gemeinden haben die Hebesätze so angepasst, dass die Gesamteinnahmen aus der Grundsteuer in etwa konstant bleiben (aufkommensneutrale Reform).
Bodenrichtwert ermitteln
Der Bodenrichtwert wird alle zwei Jahre vom Gutachterausschuss festgestellt und ist im Bodenrichtwertinformationssystem BORIS-BW frei abrufbar. Er gibt den durchschnittlichen Lagewert unbebauter Grundstücke pro Quadratmeter in einer Zone an. Unterschiede zwischen Lagequalitäten (Ortsrandlage vs. Zentrum) können enorm sein: In Stuttgarter Toplagen erreicht der Bodenrichtwert mehrere tausend Euro pro m², auf dem Land teils unter 50 €/m².
Vergleich mit anderen Bundesländern
Während Bayern, Hamburg und andere Bundesländer dem Bundesmodell (GrStG) mit Ertragswert- oder Sachwertverfahren folgen, geht Baden-Württemberg einen Sonderweg. Das Bodenwertmodell ist administrativ einfacher, belastet aber Eigentümer in teuren Lagen stärker als das Bundesmodell. Im Gewerbebereich kann dies zu erheblichen Mehrbelastungen führen, wenn der Bodenrichtwert weit über dem Gebäudewert liegt.
Häufige Fragen zur Grundsteuer BW
Was ist das Bodenwertmodell in Baden-Württemberg?
Baden-Württemberg hat im Rahmen der Grundsteuerreform ein eigenes Landesmodell eingeführt: das Bodenwertmodell (LGrStG BW). Statt Gebäudewert und Grundstück wird nur der Bodenwert (Fläche × Bodenrichtwert) als Bemessungsgrundlage herangezogen. Das Gebäude spielt keine Rolle.
Wie hoch ist die Steuermesszahl in BW?
Die Steuermesszahl für Grundstücke im Bodenwertmodell beträgt 1,3 Promille (0,0013) — einheitlich für alle Grundstücksarten. Für Wohngrundstücke gilt ein Abschlag auf den Bodenwert von 30 % (d.h. effektiv 0,91 ‰), wenn das Grundstück überwiegend zu Wohnzwecken dient.
Wo finde ich den Bodenrichtwert für mein Grundstück?
Den aktuellen Bodenrichtwert erhalten Sie im Portal BORIS-BW (boris.lubw.de) kostenlos oder beim zuständigen Gutachterausschuss. Der Bodenrichtwert wird mindestens alle zwei Jahre aktualisiert und gibt den durchschnittlichen Lagewert pro m² an.
Wie hoch ist der Hebesatz in meiner Gemeinde?
Der Hebesatz wird von jeder Gemeinde individuell festgelegt. Beispiele: Stuttgart ca. 420 %, Freiburg ca. 600 %, Heidelberg ca. 485 %. Die endgültige Höhe erfahren Sie bei Ihrer Gemeindeverwaltung oder im aktuellen Hebesatzbeschluss des Gemeinderats.
Ab wann gilt das neue Grundsteuermodell in BW?
Das neue Bodenwertmodell gilt in Baden-Württemberg ab dem 1. Januar 2025. Die Grundsteuerbescheide nach neuem Recht wurden erstmals für das Jahr 2025 verschickt. Die Neubewertung der Grundstücke (Hauptfeststellung) erfolgte auf den Stichtag 1.1.2022.
Was bedeutet der Abschlag für Wohngrundstücke?
Grundstücke, die überwiegend Wohnzwecken dienen, erhalten nach LGrStG BW einen Abschlag von 30 % auf den Bodenwert. Dadurch sinkt die effektive Steuermesszahl auf 0,91 ‰ statt 1,3 ‰. Dieser Abschlag fördert Wohnbaugrundstücke und dämpft die Mehrbelastung in teuren Lagen.