Depot verleihen und Zusatzertrag erzielen: Securities Lending bringt ein Leihentgelt auf bereits gehaltene Positionen. Berechnen Sie Brutto- und Nettoertrag nach Abgeltungsteuer 26,375 % sowie die Renditeerhöhung Ihres Gesamtdepots.
Wertpapierleihe Ertrag Rechner
§ 20 EStG — Securities Lending Ertrag nach Abgeltungsteuer 26,375 %
Rechtsgrundlage
- § 20 Einkommensteuergesetz (EStG) ↗
Einkünfte aus Kapitalvermögen — Entgelt aus Wertpapierleihe
Gültig ab: 1. 1. 2009
- § 43 Einkommensteuergesetz (EStG) ↗
Kapitalertragsteuer — Abgeltungsteuer 25 % auf Leihentgelt
Gültig ab: 1. 1. 2009
Wertpapierleihe — Erträge, Steuern und Risiken
Was ist Securities Lending und wie verdient man damit?
Wertpapierleihe (Securities Lending) ermöglicht es Anlegern, zusätzliche Erträge auf bereits gehaltene Positionen zu erzielen, ohne diese zu verkaufen. Der Verleiher erhält ein Leihentgelt — typischerweise einen jährlichen Prozentsatz des verliehenen Werts. Für ein Depot von 100.000 € mit 50 % Leihquote und einem Leihsatz von 0,5 % ergibt sich ein jährlicher Brutto-Ertrag von 250 €. Das klingt bescheiden, ist aber zusätzliches Einkommen ohne Kapitalrisiko (abgesichert durch Collateral).
Steuerliche Behandlung: Abgeltungsteuer 26,375 %
Das Leihentgelt gilt nach § 20 EStG als Einkünfte aus Kapitalvermögen und unterliegt der Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag (5,5 % auf die KapSt), insgesamt also 26,375 %. Die Steuer wird automatisch vom Broker einbehalten und ans Finanzamt abgeführt (Kapitalertragsteuer nach § 43 EStG). Der Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Person gilt auch für Leihentgelte und kann die Steuerlast reduzieren.
Risiken und Absicherung
Das Hauptrisiko ist der Ausfall des Leihnehmers. In der Praxis wird dieses Risiko durch Sicherheiten (Collateral) minimiert: Der Leihnehmer hinterlegt typischerweise 100–105 % des Leihwerts in hochwertigen Staatsanleihen oder Bargeld. Bei institutionellen Leihprogrammen übernimmt der Broker oder eine Clearingstelle das Gegenparteirisiko. Wichtig: Während der Leihe verliert der Verleiher das Stimmrecht auf Hauptversammlungen.
Leihsätze und Marktpreis
Leihsätze folgen Angebot und Nachfrage. Aktien mit hohem Short Interest (viele Leerverkäufer wollen sie leihen) erzielen höhere Sätze — bisweilen 5–30 % p.a. Liquide Indexpositionen wie DAX-Schwergewichte bringen meist nur 0,1–0,5 %. Bei ETFs liegen Leihsätze im Schnitt bei 0,05–0,3 %. Der Broker gibt nur einen Teil des erzielbaren Satzes an den Kunden weiter — die eigene Marge liegt typisch bei 20–50 % des Rohertrags.
Dividendenersatz und steuerliche Besonderheiten
Fällt während der Leihperiode eine Dividende an, erhält der Verleiher keine echte Dividende, sondern eine Manufactured Dividend (Dividendenersatzzahlung). Diese wird steuerlich anders behandelt: Sie gilt vollständig als sonstiger Ertrag (§ 20 EStG), nicht als Dividende — Steuervorteile aus DBA oder § 8b KStG greifen hier nicht. Für Privatanleger ist dies im Regelfall unerheblich, für institutionelle Anleger kann es bedeutsam sein.
Häufige Fragen zur Wertpapierleihe
Was ist Wertpapierleihe (Securities Lending)?
Bei der Wertpapierleihe verleiht ein Depotinhaber seine Aktien, Anleihen oder ETFs temporär an einen anderen Marktteilnehmer (meist einen Leerverkäufer oder Market Maker). Im Gegenzug erhält er ein Leihentgelt (Leihsatz × Volumen × Zeit). Die verliehenen Papiere werden durch Sicherheiten (Collateral) abgesichert. Viele Online-Broker bieten Privatkunden automatische Wertpapierleihprogramme an, bei denen der Broker einen Teil des Ertrags einbehält.
Wie wird das Leihentgelt steuerlich behandelt?
Das Entgelt aus der Wertpapierleihe gilt als Einkünfte aus Kapitalvermögen gemäß § 20 EStG. Es unterliegt der Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag (5,5 % auf die KapSt), insgesamt also 26,375 %. Der Sparerpauschbetrag (1.000 € pro Person) kann auf das Leihentgelt angerechnet werden. Die Steuer wird automatisch an der Quelle einbehalten (Kapitalertragsteuer § 43 EStG).
Welche Risiken gibt es bei der Wertpapierleihe?
Das Hauptrisiko ist der Ausfall des Leihnehmers. Diesem wird durch Sicherheiten (typisch: 100–105 % des Leihwerts in Staatsanleihen oder Cash) entgegengewirkt. Während der Leihe verliert der Verleiher vorübergehend das Stimmrecht auf Hauptversammlungen. Dividenden werden als "Manufactured Dividends" ersetzt — diese werden steuerlich anders behandelt als reguläre Dividenden und können nachteilig sein.
Was ist ein typischer Leihsatz?
Leihsätze variieren stark je nach Nachfrage nach dem Papier. Für liquide, häufig gehandelte Blue-Chip-Aktien liegen sie typisch bei 0,1–0,5 % p.a. Für schwer leihbare Titel (hohe Short-Interest, geringe Liquidität) können Sätze von 5–30 % oder mehr erreicht werden. Anleihen werden oft zu niedrigeren Sätzen verliehen. Der Broker gibt meist nur einen Teil des Leihsatzes an den Kunden weiter.
Kann ich als Privatanleger an der Wertpapierleihe teilnehmen?
Ja — viele moderne Online-Broker (z.B. Interactive Brokers, Flatex, Trade Republic in bestimmten Konten) bieten Leihprogramme für Privatanleger an. Interactive Brokers teilt z.B. 50 % des Leihentgelts mit dem Kunden. Andere Broker verleihen ohne Beteiligung des Kunden. Es empfiehlt sich, die Vertragsbedingungen des Brokers sorgfältig zu prüfen, insbesondere zur Collateral-Qualität und Steuerbehandlung von Dividendenersatzzahlungen.
Wie unterscheidet sich Wertpapierleihe von einem Repo-Geschäft?
Beim Repo (Repurchase Agreement / Pensionsgeschäft) wird das Wertpapier mit Rückkaufvereinbarung verkauft — rechtlich ein Kauf, wirtschaftlich eine besicherte Finanzierung. Bei der Wertpapierleihe bleibt der Verleiher wirtschaftlicher Eigentümer. Beide Instrumente dienen ähnlichen Zwecken (Liquiditätsbeschaffung, Leerverkaufsfinanzierung), unterscheiden sich aber in der Bilanzierung und steuerlichen Behandlung.