§ 129 InsO

Prüfen Sie, ob eine Zahlung nach § 129 ff. InsO angefochten werden kann. Vorsatzanfechtung: 10 Jahre. Inkongruente/kongruente Deckung: 3 Monate. Berechnen Sie den Rückgewähranspruch des Insolvenzverwalters.

Letzte Aktualisierung: 1. 1. 2026 · Gültig für: 2026 · Version: 1.0.0

Rechtsgrundlage

  • § 129 Insolvenzordnung (InsO)

    § 129 InsO — Grundtatbestand Insolvenzanfechtung: gläubigerbenachteiligende Rechtshandlungen vor Insolvenzantrag.

    Gültig ab: 1. 1. 1999

  • § 131 Insolvenzordnung (InsO)

    § 131 InsO — Inkongruente Deckung: 3 Monate vor Insolvenzantrag, kein Nachweis Zahlungsunfähigkeit erforderlich.

    Gültig ab: 1. 1. 1999

  • § 133 Insolvenzordnung (InsO)

    § 133 InsO — Vorsatzanfechtung: bis 10 Jahre vor Insolvenzantrag bei Benachteiligungsabsicht des Schuldners.

    Gültig ab: 1. 1. 1999

Insolvenzanfechtung § 129 InsO 2026

§ 129 InsO: Grundtatbestand der Insolvenzanfechtung

Die Insolvenzanfechtung nach § 129 InsO ist ein zentrales Instrument des Insolvenzrechts: Sie ermöglicht dem Insolvenzverwalter, vor der Insolvenz vorgenommene, gläubigerbenachteiligende Rechtshandlungen des Schuldners rückgängig zu machen und das abgeflossene Vermögen zur Masse zurückzuholen. Ziel ist die Gleichbehandlung aller Gläubiger (par condicio creditorum).

Die drei Anfechtungstatbestände im Überblick

§ 130 InsO — Kongruente Deckung (3 Monate): Eine Zahlung, auf die der Gläubiger einen fälligen Anspruch hatte, ist anfechtbar, wenn der Schuldner zum Zeitpunkt der Zahlung zahlungsunfähig war und der Gläubiger dies kannte. Frist: 3 Monate vor Insolvenzantrag.

§ 131 InsO — Inkongruente Deckung (3 Monate): Erhält ein Gläubiger eine Leistung, auf die er keinen oder keinen fälligen Anspruch hatte (z.B. Vorauszahlung, Pfandbestellung ohne Vereinbarung), ist die Anfechtung leichter: Zahlungsunfähigkeit und Kenntnis müssen nicht bewiesen werden. Frist: 3 Monate.

§ 133 InsO — Vorsatzanfechtung (10 Jahre): Die stärkste Anfechtungsform erfasst Rechtshandlungen, bei denen der Schuldner in Benachteiligungsabsicht handelte und der Gläubiger dies kannte. Die Frist beträgt bis zu 10 Jahre — besonders relevant bei verschleierten Vermögensverschiebungen und Transaktionen mit nahestehenden Personen.

Rechtsfolge: Rückgewähr nach § 143 InsO

Ist die Anfechtung begründet, hat der Insolvenzverwalter einen Rückgewähranspruch nach § 143 Abs. 1 InsO: Der Anfechtungsgegner muss das Erlangte zur Insolvenzmasse zurückgewähren. Bei Geldleistungen ist der gesamte empfangene Betrag zurückzuzahlen. Der Anfechtungsgegner kann seinerseits seine ursprüngliche Forderung als Insolvenzgläubiger anmelden (§ 144 InsO).

Dieser Rechner hilft, die Anfechtungsfristen zu prüfen und den potenziellen Rückgewähranspruch zu berechnen. Er ersetzt keine Rechtsberatung — für konkrete Fälle sollten Insolvenzrechtspezialisten hinzugezogen werden.

Häufige Fragen zur Insolvenzanfechtung

Was ist eine Insolvenzanfechtung nach § 129 InsO?

Die Insolvenzanfechtung ermöglicht dem Insolvenzverwalter, Rechtshandlungen des Schuldners vor der Insolvenz rückgängig zu machen, wenn sie Gläubiger benachteiligen. Typische Beispiele: Zahlung an einen Gläubiger kurz vor Insolvenz (Gläubigerbenachteiligung), Übertragung von Vermögen an nahestehende Personen, Bestellung von Sicherheiten ohne Gegenleistung.

Wie lange ist die Anfechtungsfrist bei der Vorsatzanfechtung nach § 133 InsO?

§ 133 Abs. 1 InsO: bis zu 10 Jahre vor dem Insolvenzantrag. Voraussetzungen: Der Schuldner handelte mit dem Vorsatz, Gläubiger zu benachteiligen. Der Anfechtungsgegner kannte diesen Vorsatz. Bei Rechtshandlungen gegenüber nahestehenden Personen (§ 138 InsO) wird die Kenntnis vermutet.

Was ist der Unterschied zwischen kongruenter und inkongruenter Deckung?

Kongruente Deckung (§ 130 InsO): Der Gläubiger erhält genau das, was er zu dieser Zeit bereits fordern durfte — z.B. Zahlung einer fälligen Rechnung. Anfechtbar nur bei Zahlungsunfähigkeit + Kenntnis des Gläubigers, 3 Monate. Inkongruente Deckung (§ 131 InsO): Der Gläubiger erhält etwas, worauf er keinen Anspruch hatte oder nicht in dieser Form — z.B. vorzeitige Zahlung, Pfandbestellung ohne Vereinbarung. Keine Zahlungsunfähigkeit erforderlich, 3 Monate.

Was muss der Insolvenzverwalter zurückfordern?

Bei erfolgreicher Anfechtung muss der Anfechtungsgegner das Erlangte zurückgewähren (§ 143 InsO). Bei einer Geldleistung: den gesamten gezahlten Betrag. Bei Sachleistungen: den Gegenstand oder dessen Wert. Der Anfechtungsgegner hat wiederum einen Gegenanspruch auf Rückgabe seiner eigenen Leistung (§ 144 InsO).

Ab wann beginnt die Anfechtungsfrist zu laufen?

Die Anfechtungsfristen werden vom Zeitpunkt des Insolvenzantrags (nicht der Eröffnung) zurückgerechnet. Maßgeblich ist der erste, nicht zurückgenommene Insolvenzantrag. Der Rechner verwendet das Datum der Insolvenzeröffnung als Näherungswert — in der Praxis ist das Antragsdatum entscheidend und liegt meist einige Monate vor der Eröffnung.

Kann man als Gläubiger eine Zahlung behalten, wenn man gutgläubig war?

Bei der kongruenten Deckung (§ 130 InsO) ist die Kenntnis des Gläubigers von der Zahlungsunfähigkeit Voraussetzung — war er gutgläubig, entfällt die Anfechtbarkeit. Bei der inkongruenten Deckung (§ 131 InsO) und der Vorsatzanfechtung (§ 133 InsO) ist Gutgläubigkeit nur eingeschränkt relevant. Das Gericht prüft die Umstände im Einzelfall.

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