Die Lotsabgabe nach Bruttoraumzahl (BRZ) und Seelotsrevier berechnen — gemäß § 1 Anlage 1 LTV. Dieser Rechner berücksichtigt Ermäßigungen für Passagierfahrzeuge (60 % / 80 %) und den Regelmäßigkeitsrabatt für Containerschiffe auf der Ems.
Rechtsgrundlage
- § 1 Lotstarifverordnung (LTV) ↗
Lotsabgaben nach Bruttoraumzahl und Seelotsrevier
Gültig ab: 1. 1. 2026
- Anlage 1 Lotstarifverordnung (LTV) ↗
Lotsabgabentabellen nach BRZ-Klassen und Seelotsrevier
Gültig ab: 1. 1. 2026
Lotsabgaben nach der Lotstarifverordnung (LTV)
Die Lotstarifverordnung (LTV) regelt die Höhe der Lotsabgaben für alle deutschen Seelotsreviere. Die Lotsabgabe ist eine obligatorische Gebühr, die für das Befahren eines Seelotsreviers erhoben wird, unabhängig davon, ob tatsächlich ein Lotse an Bord genommen wird oder eine Ausnahmegenehmigung besteht. Sie unterscheidet sich damit vom Lotsgeld, das nur bei tatsächlicher Lotsbegleitung anfällt.
Die Berechnung der Lotsabgabe richtet sich nach der Bruttoraumzahl (BRZ) des Schiffes und dem befahrenen Seelotsrevier. In Anlage 1 der LTV sind die BRZ-Klassen und die jeweils geltenden Abgabensätze für die verschiedenen Reviere (Elbe, Weser, Ems, Nord-Ostsee-Kanal, Ostseereviere) detailliert aufgeführt. Je höher die BRZ, desto höher fällt die Lotsabgabe aus — allerdings nicht linear, sondern in Stufen.
Ermäßigungen für besondere Schiffstypen
Die LTV sieht verschiedene Ermäßigungen vor, die die wirtschaftliche Belastung bestimmter Schiffstypen reduzieren sollen. Passagierfahrzeuge zahlen in der Regel nur 60 % des Regelsatzes, also eine 40-prozentige Ermäßigung. Für bestimmte Passagierverbindungen kann auch ein ermäßigter Satz von 80 % des Regelsatzes (20 % Ermäßigung) gelten. Diese Differenzierung berücksichtigt die unterschiedliche Wirtschaftlichkeit im Personenverkehr.
Containerschiffe, die regelmäßig im Seelotsrevier Emden auf der Ems verkehren, können bei mindestens 10 Reisen pro Monat einen Regelmäßigkeitsrabatt von 15 % auf die Lotsabgabe erhalten. Diese Sonderregelung ist Teil der Hafenpolitik, die die Wettbewerbsfähigkeit von Emden gegenüber konkurrierenden Nordseehäfen in den Niederlanden und Belgien stärken soll.
Abgrenzung von Lotsabgabe und Lotsgeld
Neben der Lotsabgabe kann auch das Lotsgeld anfallen. Das Lotsgeld wird für die eigentliche Lotsbegleitung (Lotse an Bord oder Streckenlotse) entrichtet und ist in § 2 LTV geregelt. Es wird zusätzlich zur Lotsabgabe erhoben. Unternehmen, die über eine Befreiungsgenehmigung vom Lotsnahmezwang verfügen, zahlen zwar das Lotsgeld nicht, aber in der Regel dennoch die Lotsabgabe als Infrastrukturbeitrag für das Revierlotsenwesen.
Für Reedereien und Schifffahrtsunternehmen ist die genaue Kenntnis der anfallenden Lotskosten essentiell für die Kostenkalkulation und die Wettbewerbsfähigkeit auf einzelnen Routen. Der vorliegende Rechner bietet eine erste Orientierung — für verbindliche Abrechnung sind die offiziellen Lotsabgabentabellen der Seelotsorgane maßgeblich.
Häufig gestellte Fragen zur Lotsabgabe
Was ist eine Lotsabgabe und wie wird sie berechnet?
Die Lotsabgabe ist eine Pflichtgebühr für die Inanspruchnahme des Seelotsreviers und richtet sich nach der Bruttoraumzahl (BRZ) des Schiffes sowie dem befahrenen Seelotsrevier. Die Berechnung erfolgt anhand der Lotsabgabentabellen in Anlage 1 LTV (Lotstarifverordnung). Jedes Seelotsrevier — Emden, Bremerhaven, Hamburg, Kiel und Rostock — hat eigene Abgabensätze.
Welche Ermäßigungen gibt es für Passagierfahrzeuge?
Für Passagierfahrzeuge sieht die Lotstarifverordnung erhebliche Ermäßigungen vor. Passagierfahrzeuge zahlen in der Regel nur 60 % des Regelsatzes (40 % Ermäßigung). Für bestimmte Passagierrouten kann auch ein ermäßigter Satz von 80 % des Regelsatzes gelten. Diese Regelungen sollen die Wettbewerbsfähigkeit des Personenschiffsverkehrs unterstützen.
Was ist der Regelmäßigkeitsrabatt für Containerschiffe auf der Ems?
Containerschiffe, die regelmäßig im Seelotsrevier Emden (Ems) verkehren, können einen Regelmäßigkeitsrabatt von 15 % auf die Lotsabgabe erhalten, wenn sie mindestens 10 Reisen pro Monat durchführen. Dieser Rabatt soll die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens Emden gegenüber anderen Nordseehäfen stärken und regelmäßige Linienverkehre fördern.
Was ist die Bruttoraumzahl (BRZ)?
Die Bruttoraumzahl (BRZ) ist eine dimensionslose Maßzahl für das Gesamtvolumen eines Schiffes und wird nach dem Internationalen Schiffsvermessungsübereinkommen von 1969 berechnet. Sie ist keine Gewichtsangabe, sondern ein Volumenwert. Je größer die BRZ, desto höher fällt die Lotsabgabe aus. Bei der Anmeldung der Einfahrt muss die BRZ des Schiffes angegeben werden.
Welche Seelotsreviere gibt es in Deutschland?
Deutschland verfügt über mehrere Seelotsreviere: das Elbrevier (Hamburg), das Weserevier (Bremerhaven), das Emsrevier (Emden), den Nord-Ostsee-Kanal (Kiel) sowie verschiedene Ostseereviere (Rostock, Wismar, Stralsund). Jedes Revier hat spezifische Lotsabgabensätze, die im Anhang zur Lotstarifverordnung festgelegt sind. Die Lotsabgaben dienen der Finanzierung der Seelotsorgane und der Revierunterhaltung.
Ist die Berechnung rechtsverbindlich?
Der Rechner dient zur Orientierung auf Basis der Lotstarifverordnung (LTV). Die genauen Beträge können je nach Schiffsgröße, aktueller Revisionsstand der Tabellen und Revierbesonderheiten abweichen. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an das zuständige Seelotsrevier oder die Lotsenbrüderschaft.