§ 352 HGB

Die Entscheidung zwischen Skontonutzung und Kontokorrentkredit ist eine der häufigsten Liquiditätsfragen im Unternehmensalltag. Dieser Rechner vergleicht die Skontoersparnis mit den Kreditkosten für den Skontozeitraum und zeigt, ob die frühzeitige Zahlung wirtschaftlich sinnvoll ist — inklusive effektivem Jahreszins nach § 352 HGB.

Letzte Aktualisierung: 2. 5. 2026 · Gültig für: 2026 · Version: 1.0.0

Rechtsgrundlage

Skonto vs. Kontokorrentkredit — Liquiditätsentscheidung im Unternehmensalltag

Die Frage, ob ein angebotenes Skonto genutzt werden sollte, gehört zu den grundlegenden Liquiditätsentscheidungen im betrieblichen Rechnungswesen. Auf den ersten Blick erscheinen 2 % Rabatt bei frühzeitiger Zahlung attraktiv — doch der effektive Jahreszins dieser impliziten Finanzierungsform liegt oft weit über dem eines Kontokorrentkredits.

Der effektive Jahreszins als Entscheidungsgrundlage

Der Schlüssel zur richtigen Entscheidung ist die Berechnung des effektiven Jahreszinses des Skontos. Die Formel lautet: (Skontosatz / (1 - Skontosatz)) × (360 / (Zahlungsziel - Skontofrist)). Ein Skonto von 2 % bei 10 Tagen Skontofrist und 30 Tagen Zahlungsziel ergibt einen effektiven Jahreszins von rund 36–37 %. Das bedeutet: Wenn Sie den Rechnungsbetrag vollständig bis zum 30. Tag zahlen könnten, oder wenn Ihr Kontokorrentkredit mehr als ca. 36 % p.a. kostet, lohnt sich das Skonto. Da Kontokorrentzinsen typischerweise weit darunter liegen, ist die Skontonutzung in aller Regel wirtschaftlich vorteilhaft.

Kreditkosten für den Skontozeitraum

Wenn Sie zur Skontonutzung Ihren Kontokorrentkredit in Anspruch nehmen müssen, entstehen Kreditkosten für den Zeitraum zwischen dem Skontozahltag und dem regulären Zahlungsziel. Diese Kosten berechnen sich als: Rechnungsbetrag × Kontokorrentzinssatz × (Zahlungsziel - Skontofrist) / 360. Nur wenn diese Kreditkosten die Skontoersparnis übersteigen, ist es besser, nicht zu skontoteren — was bei marktüblichen Zinsen praktisch nie der Fall ist.

Skontoabrede und rechtliche Grundlagen nach HGB

Die Skontoabrede ist eine vertragsrechtliche Vereinbarung zwischen Gläubiger und Schuldner. Nach § 352 HGB gilt zwischen Kaufleuten ein gesetzlicher Zinssatz von 5 % p.a. für Forderungen aus beiderseitigen Handelsgeschäften, sofern keine andere Vereinbarung getroffen wurde. Die Skontokonditionen werden in der Regel auf der Rechnung oder im Rahmenvertrag festgelegt. Ein häufig verwendetes Format: "2/10 netto 30" bedeutet 2 % Skonto bei Zahlung binnen 10 Tagen, voller Betrag fällig binnen 30 Tagen.

Liquiditätsplanung und Zahlungsfristen-Management

Effektives Zahlungsfristen-Management bedeutet, Skontofristen konsequent zu überwachen und bei günstiger Liquiditätslage immer zu nutzen. In der Praxis empfehlen Finanzexperten, eine Zahlungsliste oder ein Fälligkeitskalender zu führen, in dem Skontofristen deutlich markiert sind. Automatisierte Buchhaltungssysteme können Skontofristen erkennen und Zahlungsvorschläge generieren. Die Skontoersparnis von typischerweise 1–3 % des Einkaufswertes addiert sich über das Jahr zu einer erheblichen Gesamtersparnis.

Praxishinweise für das Kreditoren-Management

Neben der reinen Renditeberechnung spielen bei der Skonto-Entscheidung auch strategische Aspekte eine Rolle: Lieferantenbeziehungen (pünktliche Zahler genießen oft bevorzugten Service), Bonität (Unternehmen mit gutem Zahlungsverhalten erhalten leichter Kredit) und die eigene Liquiditätssituation. Mittelständische Unternehmen sollten ihre Kreditoren-Zahlungspolitik regelmäßig mit der Liquiditätsplanung abstimmen und bei Liquiditätsengpässen Prioritäten setzen.

Häufige Fragen — Kreditoren-Fristen Rechner 2026

Wann lohnt sich die Nutzung von Skonto?

Skonto lohnt sich, wenn der effektive Jahreszins des Skontos niedriger ist als der Kontokorrentzins Ihrer Bank. Bei einem Skonto von 2 % bei Zahlung binnen 10 Tagen statt 30 Tagen ergibt sich ein effektiver Jahreszins von ca. 36 % — fast immer höher als ein Kontokorrentkredit. Daher sollte Skonto grundsätzlich genutzt werden, sofern ausreichend Liquidität vorhanden ist oder ein günstiger Kontokorrentkredit verfügbar ist.

Wie wird der effektive Jahreszins des Skontos berechnet?

Der effektive Jahreszins des Skontos ergibt sich aus der Formel: (Skontoprozent / (100 - Skontoprozent)) × (360 / (Zahlungsziel - Skontofrist)) × 100. Bei 2 % Skonto, 10 Tagen Skontofrist und 30 Tagen Zahlungsziel ergibt dies: (2/98) × (360/20) × 100 = ca. 36,7 %. Dieser Wert ist mit Ihrem tatsächlichen Kreditkostensatz zu vergleichen.

Was ist ein Kontokorrentkredit und wie wirkt er sich aus?

Ein Kontokorrentkredit (auch Überziehungskredit) ist eine revolvierende Kreditlinie auf dem Geschäftskonto. Die Kosten entsprechen dem vereinbarten Zinssatz auf den tatsächlich in Anspruch genommenen Betrag für die Laufzeit. Wenn Sie Skonto ziehen, müssen Sie ggf. Ihren Kontokorrentkredit in Anspruch nehmen — die Kreditkosten für den Skontozeitraum sind dann der Nettonutzen der Skontonutzung gegenüberzustellen.

Wie hoch sind typische Kontokorrentzinsen für Unternehmen?

Kontokorrentzinsen für Unternehmen lagen 2026 je nach Bank und Bonität des Unternehmens typischerweise zwischen 5 % und 15 % p.a. Mit dem gestiegenen Basiszinssatz nach § 247 BGB haben sich auch Kontokorrentzinsen erhöht. Manche Unternehmen verfügen über günstigere revolvierende Kreditlinien oder Betriebsmittelkredite mit niedrigerem Zinssatz, was die Vergleichsbasis verändert.

Welche rechtliche Bedeutung hat die Skontoabrede nach § 352 HGB?

Nach § 352 HGB gilt zwischen Kaufleuten der gesetzliche Zinssatz von 5 % p.a. für Handelsgeschäfte, sofern keine abweichende Vereinbarung getroffen wurde. Eine Skontoabrede ist eine schuldrechtliche Vereinbarung — der Verkäufer gewährt einen Preisnachlass bei frühzeitiger Zahlung. Wird das Skonto versehentlich trotz verspäteter Zahlung gezogen, kann der Verkäufer die Differenz (den unberechtigt abgezogenen Skontobetrag) nachfordern.

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